Symbolbild Stundensatz-Kalkulation

Preiskalkulation 2: Stundensatzkalkulation für Einzelunternehmen (EPU)

Wie kann ich meinen Stundensatz einfach berechnen? War die Frage nach meinem letzten Artikel, der beschrieb:

Wie lange Sie als EPU arbeiten müssen um 2.000 Euro netto zu verdienen.

Hier ist nun die kurze Überschlags-Formel, mit der Sie Ihren Stundensatz ganz einfach berechnen können. Keine Bange. Es ist ganz einfach und dauert nur wenige Minuten.

Ich weiß, das Thema Umsatzplanung und Stundensatzkalkulation ist vielen EPUs unangenehm. Doch hier geht es um Ihr Geld: um den Extra-Urlaub, die neue Wohnung oder was immer Sie gerne hätten.

Stundensatz-Kalkulation Schritt 1:

Bestimmen Sie Ihren Jahres-Umsatz

Sie haben bereits ein klares Umsatzziel? Super! Machen Sie gleich weiter mit Schritt 2.

Sie haben eine ungefähre Vorstellung, wie viel Sie netto pro Monat verdienen wollen. Aber Sie wissen nicht genau, welchem Jahres-Umsatz das entspricht.

Dann los! Die folgende Schätz-Formel ist ganz einfach.

Nehmen wir an Sie wollen 2.000 Euro netto verdienen (wie ein Angestellter nach Abzug von Steuern, Kranken- und Pensionsversicherung).

Formel:

Zielumsatz pro Monat = Nettoeinkommen pro Monat x 2
Zielumsatz pro Jahr = Zielumsatz pro Monat x 12 Monate

Beispiel:

Wunsch-Nettoeinkommen = € 2000.-
Zielumsatz pro Monat: € 2000.- x 2 = € 4.000.-
Zielumsatz pro Jahr: € 4.000.- x 12 Monate = € 48.000.-

Rechnen Sie einfach den gewünschten Einkommensbetrag mal 2. Bei einem Wunsch-Nettoeinkommen von 2.000 Euro sollten Sie also pro Monat rund 4.000 Euro Umsatz erzielen. Ich spreche hier vom Netto-Umsatz exclusive Mehrwertsteuer.

Multiplizieren Sie diese 4.000.- Euro mit 12 Monate.
So ergibt sich ein Jahresumsatz von insgesamt 48.000.- Euro.

Ein Schätzwert mit Sicherheitspolster

Wenn Sie kein Personal beschäftigen und Ihre betrieblichen Kosten max. 1.000 Euro pro Monat betragen sollte der Betrag ungefähr stimmen.

In Österreich und Deutschland sind Sie mit dieser Schätzung eher auf der sicheren Seite. Ich denke auch in der Schweiz, da mir die Einkommenssteuerbelastung hier eher niedriger erscheint.

Besser ist es natürlich den Zielumsatz mit Ihrem Unternehmens- oder Steuerberater konkret zu berechnen.

Stundensatz-Kalkulation  Schritt 2:

Berechnen Sie Ihren Wochen-Umsatz

Um Ihr Stundensatz zu berechnen, müssen Sie wissen: wie viel Sie arbeiten können /wollen.  Meine Erfahrung ist, dass die meisten EPUs recht gut abschätzen können, wie viel Sie pro Woche arbeiten.

Wenn Sie für sich ein Umsatzziel pro Woche definieren, haben Sie jede Woche ein konkretes Ziel. Und Sie können jederzeit einfach überprüfen, ob Sie im Plan liegen.

Berechnung des Umsatzes pro Woche

Zielumsatz pro Woche = Jahresumsatz / 40 Wochen
Beispiel: € 48.000.- / 40 Wochen = € 1.200.-


Aufgepasst, das ist der Knackpunkt 1

Dividieren Sie den Jahresumsatz durch 40 Wochen. Damit sind Ihre Fehlzeiten automatisch berücksichtigt: Urlaub, Feiertage, Krankenstände und Weiterbildung.

Damit haben Sie einen Polster für umsatzschwache Wochen (z.B. Weihnachten, Sommer etc.). Auf keinem Fall würde ich mit mehr als 45 Wochen rechnen.

Der Zielumsatz ist ein Durchschnittswert, den Sie Woche für Woche erzielen sollten. Wenn Sie ihn zu hoch ansetzen: Sind Sie frustriert, weil Sie ihn nicht immer erreichen. Und am Ende bleibt dann für Sie weniger übrig als geplant.

Stundensatz-Kalkulation Schritt 3:

Berechnen Sie Ihren Stundensatz

Nun dividieren Sie den Wochenumsatz durch Anzahl der Stunden, die Sie pro Woche direkt an Kunden verrechnen. Für unser Beispiel nehmen wir mal an Sie verrechnen pro Woche 20 Arbeitsstunden an Kunden.

Formel: Stundensatz = Umsatz pro Woche / verrechnete Stunden
Beispiel: € 1.200.- / 20 Stunden pro Woche = € 60.- pro Stunde

Stundensatz = Umsatz pro Woche / verrechnete Stunden
Beispiel: € 1.200.- / 20 Stunden pro Woche = € 60.- pro Stunde

Planen Sie Ihre Arbeitszeit:

Wenn Sie Ihren Stundensatz realistisch berechnen wollen, müssen Sie zuerst abschätzen:

Wie lange arbeiten Sie pro Woche? Bzw. wollen oder können Sie arbeiten?
Wie viel Prozent dieser Zeit verrechnen Sie direkt an Kunden?

Aufgepasst, das ist der Knackpunkt 2

Viele Gründern und Jungunternehmer setzen diesen Prozentsatz viel zu hoch an. Glauben Sie mir das, ich habe genügend Business-Pläne begutachtet.

Auch in diesem Fall bleibt für Sie weniger Geld übrig als geplant und Sie müssen Ihre Extra-Wünsche aufs nächste Jahr verschieben.

Planen Sie realistisch!

Am einfachsten ist: Sie gehen die letzten Wochen nochmals durch und überlegen, wie viele Ihrer Arbeitsstunden Sie in den letzen Wochen tatsächlich an Kunden verrechnet haben. Oder Sie schreiben sich das ein paar Wochen lang auf.

Wenn Sie 50% Ihrer Arbeitszeit verrechnen, sind Sie gut.

In den meisten Branchen können Sie als EPU maximal 50% Ihrer Arbeitszeit an Kunden verrechnen. Schließlich haben Sie viele zusätzliche Jobs: neue Kunden kontaktieren, Ihre Buchhaltung machen, Ihre Webseite, Ihre Kunden-Gewinnung, Ihre Mails beantworten und … (& Sie wissen schon).

Mehr als 50% anzusetzen rate ich nur, wenn das Ihrer konkreten Erfahrung enstpricht. Meist funktioniert das bei EPU mit wenig Akquisitionsaufwand z.B. wenige große Auftraggeber oder Stammkunden, die regelmäßig wieder kommen.

Wenn Sie 1.200 Euro pro Woche Umsatz erzielen wollen. 40 Stunden pro Woche arbeiten und 50% Ihrer Zeit an Kunden verrechnen. Dann beträgt Ihr Zielstundensatz mindestens € 60.-.

Wenn Sie nur 12 Stunden pro Woche (30%) verrechnen, beträgt der Stundensatz € 100.- und bei 10 (25%) verrechneten Stunden € 120.-.

Kalkulieren Sie in den ersten Jahren lieber vorsichtig!

In den ersten Jahren Ihrer Selbständigkeit können viele EPUs erfahrungsgemäß nur 25% bis 30% Ihrer Arbeitszeit an Kunden verrechnen.

Für die Kalkulation des Stundensatzes, empfehle ich: von jenem Prozentsatz an verrechenbarer Zeit auszugehen, den sie anstreben (= sobald es läuft, nach ca. 2-3 Jahren).

Für die Umsatzplanung im erstem Jahr würde ich vorsichtshalber von 25% bis 30% verrechenbarer Zeit  auszugehen. Infolge der marktüblichen Stundensätze ist in vielen Branchen ein Netto-Einkommen von € 2.000.- im Gründungsjahr oft nicht zu erwarten.

Tipp: Berechnen Sie: wie viel Sie verdienen können

Wenn Sie Ihren Stundensatz kennen und die verrechenbaren Stunden pro Woche, können Sie auch die vorraussichtliche Höhe Ihre Einkommen realistisch abschätzen.

Damit erkennen Sie sehr rasch, welches Einkommen mit dem für Sie erzielbaren  Stundensatz  erreichbar ist. Wovon der erzielbare Stundensatz abhängt lesen Sie in Preiskalkulation 3.

Wenn Sie bisher mitgerechnet haben ist der Rest sehr einfach: Multiplizieren Sie einfach Ihren Stundensatz mit der Zahl der Arbeitsstunden, die Sie an Kunden verrechnen.

Formel:

Wochenumsatz = Stundensatz x verrechenbare  Stunden
Jahresumsatz = Wochenumsatz x 40 Wochen
Nettoeinkommen pro Jahr: Jahresumsatz / 2

Beispiel Stundensatz-Kalkulation:

Stundensatz € 70.-
Verrechenbare Stunden pro Woche: 20

Wochenumsatz: € 70.- x 20 Stunden = € 1.400.-
Jahresumsatz: € 1400 x 40 Wochen = € 56.000.-
Nettoeinkommen pro Jahr: € 56.000.- / 2 = 28.000.-

Nettoeinkommen pro Monat: 28.000.- / 12 = 2.333.-

Wenn Sie mitgerechnet haben, wissen Sie nun, was Ihr Stundensatz für einkommen bedeutet. Doch die entscheidende Frage ist wie viel sind Ihre Kunden gewohnt und bereit zu bezahlen. Wie Sie das herausfinden und beeinflussen lesen Sie in Preiskalkulation 3.

Weiterführende Artikel:

Preiskalkulation 1: Der Stundensatz entscheidet wie lange sie arbeiten und wie viel Sie verdienen!
Preiskalkulation3: Der richtige Preis zahlt sich für Sie aus!

Preiskalkulation 4: Zu billig oder zu teuer?

Preiskalkulation 5 : Preis- & Konkurrenzanalyse für den Businessplan
Preiskalkulation 6: Ihr Kundennutzen bestimmt wie viel Sie verdienen!

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Über die Autorin:

 

Sylvia Fullmann,

Herzens-Business-Coach, Unternehmensberaterin & Gründungs-Coach
  Sylvia Fullmann Herzensmarketing-Coach Seit mehr als 20 Jahren unterstützt sie Herzen-Business gefragt zu sein. Als Marketing-Expertin ist sie auf Dienstleistungsmarketing spezialisiert. Sie ist Autorin des eBooks „Gefragt sein mit WIN-WIN-Marketing",  Vortragende & Workshop- und Kurs-Leiterin für Unternehmensgründung & Dienstleistungs-Marketing, Begutachterin bei Business-Plan-Wettbewerben und Geschäftsführerin des bussiness-frauen centers Wien. Seit 2000 ist sie Mitglied des Beraterpools des WIFI Wien und Niederösterreich.

16 Kommentare zu „Preiskalkulation 2: Stundensatzkalkulation für Einzelunternehmen (EPU)“

  1. Hannelore Ebert

    Hallo Frau Fullmann,

    erst einmal vielen Dank für die Berechnung und guten Hinweise. Aber meiner Meinung und Erfahrung ist der Preis pro Stunde abhängig vom Gewerke. Ich kann als PC Dienstleister nicht genausoviel in der Stunde verlangen wie ein Hausbetreuer!

    Das ist meine Meinung dazu. Oder sehen Sie das anders?

    Schöne Grüsse

    Hannelore Ebert

  2. Sylvia Fullmann

    Hallo Frau Ebert

    ja, vielen Dank für den Hinweis. Natürlich ist der Stundensatz nur ein Teil der Stundensatzbestimmung. Weitere wichtige Faktoren sind die Preise der Mitbewerber, die Zahlungsbereitschaft der Kunden und die Marktstellung Ihres Unternehmens. Die entsprechenden Beiträge dazu sind gerade in Vorbereitung.

    Die Stundensatzkalkulation zeigt, wie viel Sie als EPU bzw. Selbständige verdienen können. Und das ist ja in verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich. Doch um von Ihrer Selbständigkeit leben zu können, brauchen Sie einen bestimmten Jahresumsatz. Daher ergeben sich bei Dienstleistungen (wo es meist keine größeren Investitionen bzw. Materialkosten gibt) doch recht ähnliche Mindeststundensätze. Die Obergrenze des Einkommens bei Dienstleistungen wird in erster Linie vom Stundensatz bestimmt.

    Beantwortet das Ihre Frage?

    Liebe Grüße

    Sylvia Fullmann

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  7. Ein toller Artikel! Sie haben viele Variable bedacht und übersichtlich dargestellt. Besonders hilfreich ist das für Anfänger, die oft noch unsicher sind, was ihre Leistung wert ist.

    Als Texterin halte ich es seit einigen Jahren so, wie Sie es Ihrem anderen Artikel beschreiben: „Preiskalkulation 6: Ihr Kundennutzen bestimmt wie viel Sie verdienen!“

  8. Hallo Frau Fullmann,

    danke für den guten und verständlichen Artikel.
    Ich habe in meinem Leben einige Firmen gegründet.

    Und deshalb kann ich Ihren Aufruf zur realistischen Planung in der Startphase nur eindringlich unterstreichen.

    Meiner Meinung ist auch ganz wichtig, den Faktor oder Prozentsatz der verrechneten Stunden laufend zu kontrollieren.

    Denn zu den eigenen Zahlen herrscht ein ganz anderes Vertrauen, als zu pauschalen Zahlen des Beraters.

    Es gehört aber auch ein bischen Mut dazu sich den Zahlen zu stellen.

    25% verrechnete Arbeitszeit sind beim Startup sicher viel realistischer als 50%, weil ungleich viel mehr Zeit in unbezahlte Kundenakquise und dergleichen investiert werden muss.

    Ich will aber hier niemandem „Angst“ machen. Ein eigenes Unternehmen hochzubringen ist eine ganz tolle Sache.

    Viel Erfolg und Freude wünsche ich Allen die das tun!

    Herzliche Grüße aus dem Allgäu

    AW

  9. Lieber Herr Wohlfahrt, vielen Dank für die offenen Worte. Die 25% für Gründer/Jungunternehmer unterstreiche ich. Schön, dass Sie Ihre Erfahrung teilen. Damit wird es nochmals glaubwürdiger. Vielen Dank.

  10. Herzlichen Dank liebe Frau Martens! Freut mich sehr, dass die Erfahrenen mich bestätigen. Daduch wird es für JungunternehmerInnen noch glaubwürdier. Vielen Dank für den Kommentar.

  11. Sehr geehrte Frau Fullmann,

    Ich habe mich entschlossen eine Reinigungsfirma zu Gründen, jedoch weiss ich nicht wie ich meinen Stundenlohn berechnen soll.
    Ich habe mich bei privaten und gewerblichen Reinigungspersonal nach preisen erkundigt, nur klaffen zwischen den mir genannten Preisen tiefe Krater.

    Was können Sie mir raten??

    MFG WURM

  12. Lieber Herr Wurm, am Beste sie klären das mit Ihrem Steuerberater. Denn für eine vernünftige Kalkulation sollten sie sowohl die Kosten als auch alle Abgaben berücksichtigen

  13. Liebe Silvia,
    deine Musterkalkulation stimmt sehr gut. Ich hätte mir eine Menge Nerven in den ersten zwei Jahren als EPU erspart, wenn ich dieses Thema ernster und sinnvoller, mit mehr Wissen, angegangen wäre.
    Nach mehr als 10 Jahren ist das nicht mehr schwierig.
    Vor allem die Ausfallzeiten und die SVA Zahlungen haben mir anfangs, ohne die nötigen Reserven, zu schaffen gemacht.

    Liebe Grüße
    Helga

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